Systemische Therapie bei Familienkonflikten und Patchworkfamilien

„Wachstum geschieht, wenn Menschen sich sicher fühlen.“

Virginia Satir

Familienthemen

Familiäre Beziehungen begleiten uns ein Leben lang. Sie haben unsere Wünsche und Vorstellungen davon geprägt, wie wir Nähe gestalten, Verantwortung übernehmen, mit Konflikten umgehen und uns selbst in Beziehungen erleben. Viele Themen, die uns im Erwachsenenalter beschäftigen oder erschöpfen, stehen in einem Zusammenhang mit unseren Erfahrungen in der Herkunftsfamilie.

Ein systemischer Blick kann dabei unterstützen, diese Zusammenhänge zu verstehen und neue, stimmigere Wege im Umgang mit Familie und der eigenen Lebensgeschichte zu finden. Für diese Themen kann eine systemische Therapie geeignet sein:

  • Familiäre Konflikte, Dynamiken, Spannungen

    • Familiendynamiken / Familienmuster erkennen, verstehen und Umgang finden

    • Familienkonflikte und gemeinsame Weiterentwicklung

    • Dauerhafte Anspannung / Konfliktvermeidung

    • Loyalitätskonflikte (z.B. zwischen Partner*in und Eltern)

  • Leben in Patchworkfamilien/Stieffamilien

    • Dynamik und Rollen in Patchworkfamilien/Stieffamilien

  • Familiäre Belastung

    • durch Pflege der Eltern, Care-Arbeit

    • schwer oder chronisch erkrankte/n Partner*in

  • Rollen in der Familie

    • Erwachsenes Kind der Eltern sein

    • Elternsein von erwachsenen Kindern

    • Geschwisterkonstellationen in der Familie

  • Transgenerationale Themen und Muster

  • Biografische Themen

Familienthemen – Beziehungen verstehen und neu gestalten

Familien und Lebensgemeinschaften prägen unsere Beziehungen

- von Anfang an. In ihnen lernen wir Nähe, Zugehörigkeit, Verantwortung und Konfliktbewältigung. Gleichzeitig sind Familien komplexe Systeme, in denen unterschiedliche Bedürfnisse, Erwartungen und Lebensentwürfe aufeinandertreffen. Viele Themen, die Menschen im Erwachsenenalter beschäftigen, haben ihre Wurzeln in frühkindlichen Beziehungserfahrungen – oft ohne, dass dies auf den ersten Blick erkennbar ist.

Aus systemischer Perspektive geht es bei Familienthemen nicht um Schuld, richtiges oder falsches Verhalten, sondern um Verstehen, Einordnen und neue Handlungsmöglichkeiten im gegenwärtigen Leben.

Familiäre Konflikte, Dynamiken, Spannungen

Familiendynamiken und Beziehungsmuster 

In jeder Familie entwickeln sich über die Zeit bestimmte Muster: Wer übernimmt Verantwortung? Wer vermittelt? Wer zieht sich zurück? Diese Dynamiken entstehen meist unbewusst und erfüllen wichtige Funktionen für das Zusammenleben. Gleichzeitig können sie im Laufe des Lebens belastend werden, insbesondere wenn sie starr bleiben oder nicht mehr zur aktuellen Lebenssituation passen.

Systemische Therapie unterstützt dabei, familiäre Muster sichtbar zu machen und ihren – gegebenenfalls früheren - Sinn zu verstehen. Allein dieses Verstehen kann entlastend wirken und eröffnet die Möglichkeit, bewusster mit gewohnten Rollen und Erwartungen umzugehen.

Familienkonflikte als Entwicklungsimpulse

Konflikte gehören zum Familienleben dazu. Unterschiedliche Bedürfnisse, Lebensentscheidungen oder Werte können Spannungen erzeugen – zwischen Eltern und Kindern, Geschwistern oder auch über Generationen hinweg. Häufig werden Konflikte vermieden, um Beziehungen nicht zu gefährden, was langfristig jedoch zu innerer Distanz oder Erschöpfung führen kann.

In der systemischen Arbeit werden Konflikte nicht als Störung betrachtet, sondern als Hinweis auf Entwicklung. Ziel ist es nicht, Harmonie um jeden Preis herzustellen, sondern einen konstruktiven Umgang zu finden, der sowohl Beziehung als auch individuelle Integrität wahrt.

Dauerhafte Anspannung und Konfliktvermeidung 

Nicht alle Belastungen sind sichtbar. Viele Menschen leben über Jahre in familiären Systemen, in denen Konflikte vermieden werden, Spannungen nur spürbar, aber unausgesprochen bleiben oder emotionale Vorsicht den Alltag prägt. Diese dauerhafte innere Wachsamkeit kostet viel Energie. Wer dauerhaft darauf achtet, niemanden zu verletzen, Konflikte zu vermeiden oder Harmonie aufrechtzuerhalten, lebt oft in innerer Alarmbereitschaft. Diese Form von Erschöpfung bleibt nach außen unsichtbar – ist innerlich jedoch sehr präsent. Erschöpfung kann hier als Hinweis verstanden werden, dass das System nach Entlastung sucht. 

Loyalitätskonflikte zwischen Nähe und Abgrenzung

Viele Menschen geraten in Loyalitätskonflikte, zum Beispiel zwischen Partner*in und der eigenen Herkunftsfamilie. Die eigenen Bedürfnisse stehen dann zwischen Erwartungen, Verpflichtungen und dem Wunsch, niemanden zu enttäuschen. Betroffene fühlen sich hin- und hergerissen zwischen unterschiedlichen Erwartungen und erleben häufig das Gefühl, es niemandem recht machen zu können. Konflikte werden vermieden, um Beziehungen zu schützen – doch der Preis dafür ist oft die eigene Erschöpfung.

Systemisch betrachtet sind Loyalitätskonflikte keine Schwäche, sondern Ausdruck von Bindung und Verbundenheit. Gleichzeitig braucht es Wege, diese Bindungen so zu gestalten, dass sie nicht auf Kosten der eigenen Gesundheit gehen. In der systemisch-therapeutischen Begleitung kann daran gearbeitet werden, wie Abgrenzung entstehen gelebt werden kann, ohne Beziehungen zu gefährden – und wie innere Erlaubnis wachsen darf, eigene Bedürfnisse ernst zu nehmen.

Leben in Patchworkfamilien / Stieffamilien

Dynamik und Rollen in Patchworkfamilien

Patchworkfamilien oder Stieffamilien vereinen unterschiedliche Lebensgeschichten, Beziehungen und Erwartungen – meist unter mindestens zwei Dächern. Neue Partnerschaften treffen auf bestehende Eltern-Kind-Bindungen, frühere Familienstrukturen wirken weiter – oft leise, manchmal sehr deutlich. Daraus entstehen besondere Rollen und Dynamiken, die für alle Beteiligten herausfordernd, aber auch bereichernd sein können.

In der systemischen Therapie bearbeiten wir Themen wie Loyalitätskonflikte, Nähe und Distanz, elterliche Verantwortung, Stiefelternrollen oder unterschiedliche Erziehungsstile.

Ziel ist es, die Vielfalt der Perspektiven anzuerkennen, vorhandene Ressourcen zu stärken und neue, stimmige Formen des Zusammenlebens zu entwickeln – sodass jede und jeder seinen Platz im Familiensystem finden kann.

Familiäre Belastungen

Familiäre Belastungen als häufige Quelle von Erschöpfung

Wir Menschen leben nicht isoliert, sondern sind eingebunden in familiäre, partnerschaftliche und generationenübergreifende Systeme. Belastungen entstehen daher häufig dort, wo Rollen, Erwartungen und Verantwortlichkeiten über längere Zeit unausgewogen sind. Familiäre Beziehungen sind oft von Nähe, Loyalität und Verantwortung geprägt. Gerade diese Qualitäten können jedoch zu einer hohen Belastung werden, wenn sie dauerhaft einseitig gelebt werden.

Viele Menschen erleben Erschöpfung im Zusammenhang mit familiären Anforderungen, die kaum Pausen zulassen. Dabei geht es nicht nur um äußere Aufgaben, sondern auch um emotionale Verantwortung, unausgesprochene Erwartungen und innere Verpflichtungen.

Erschöpfung kann darauf hinweisen, dass jemand über lange Zeit mehr gegeben als erhalten hat, eigene Bedürfnisse zurückgestellt oder Verantwortung übernommen hat, die eigentlich geteilt werden müsste. In diesem Sinn ist Erschöpfung kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Hinweis darauf, dass bisherige Bewältigungsstrategien an ihre Grenze gekommen sind.

Pflege, Fürsorge, Care-Arbeit – wenn Geben zur Selbstaufgabe wird

Die längerfristige Pflege von Eltern oder andere Formen familiärer Fürsorgearbeit / Care-Arbeit können zu einer spürbaren Erschöpfung beitragen. Häufig geschieht diese Unterstützung zusätzlich zu Beruf, eigener Familie oder anderen Verpflichtungen. Besonders belastend ist dabei, dass die Rolle der sorgenden Person selten klar begrenzt ist: Es gibt kein festes Ende, meist wenig Anerkennung und oft geraten die eigenen Bedürfnisse aus dem Blick. 

Erschöpfung entsteht hier nicht nur durch körperliche Anstrengung, sondern auch durch emotionale Dauerpräsenz und das Gefühl, ständig „funktionieren“ zu müssen. Betroffene leisten aus tiefer Selbstverständlichkeit und innerer Verpflichtung heraus Unterstützung, die auf Dauer über ihre Kräfte geht. Die Motivation sin ein starkes Loyalitätsgefühl und ein hoher moralischer Anspruch an sich selbst.

Leben mit schwer oder chronisch Erkrankten im Familiensystem

Wenn ein nahestehender Mensch schwer oder chronisch erkrankt ist, verändert sich das gesamte Familien- und Beziehungssystem. Rollen und Verantwortlichkeiten verschieben sich, Gemeinsame Zukunftsbilder geraten ins Wanken. 

Häufig übernimmt eine Person dauerhaft mehr Aufgaben und die Rolle der Stützenden, Organisierenden oder Starken. Dabei bleibt wenig Raum für die eigene Belastung. Erschöpfung darf sich kaum zeigen, weil „es der anderen Person ja noch schlechter geht“. Langfristig kann genau dieses Zurückstellen zu innerer Leere und Überforderung führen.

Dies, oder auch die eigene Überforderung auszusprechen kann entlastend sein. Vielleicht erlauben Sie sich, Ihre eigenen Bedürfnisse wieder in den Blick zu nehmen – bei aller Ambivalenz.

Erschöpfung – ein Signal des Systems 

Viele Menschen sind bereits sehr erschöpft, wenn sie therapeutische Unterstützung suchen. Sie haben über Jahre hinweg Verantwortung übernommen – oft still, zuverlässig und mit hohem Pflichtgefühl. Dabei gerät das eigene Wohlbefinden nach und nach in den Hintergrund.

Erschöpfung zeigt sich körperlich, emotional und mental: als Müdigkeit, innere Leere, Reizbarkeit, im Rückzug oder Gefühl, den eigenen Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden. Aus systemischer Perspektive wird Erschöpfung nicht als individuelles Defizit verstanden, sondern als sinnvolle Reaktion auf anhaltende Belastungen innerhalb eines Beziehungssystems. 

Rollen in der Familie

Erwachsenes Kind der eigenen Eltern sein

Auch im Erwachsenenalter bleibt die Beziehung zu den eigenen Eltern bedeutsam. Themen wie Abgrenzung, Verantwortung, Loyalität oder alte Verletzungen können erneut in den Vordergrund treten – nicht erst bei Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder veränderten Lebensumständen der Eltern. Welche Fragen sind noch ungestellt? Was soll noch, ganz ohne Vorwurf, gesagt werden und wozu?

Viele Erwachsene erleben innere Spannungen zwischen Nähe und Autonomie: dem Wunsch, verbunden zu bleiben, und dem Bedürfnis, das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten. Systemische Therapie kann helfen, diese Spannungsfelder zu sortieren und der Beziehung eine neue Form zu geben, die dem heutigen Lebensabschnitt entspricht.

Elternsein von erwachsenen Kindern

Auch für Eltern bedeutet das Erwachsenwerden der Kinder einen tiefgreifenden Übergang: Rollen verändern sich, Einflussmöglichkeiten nehmen ab, alte Fürsorgemuster – die Beziehungen stabilisieren - greifen nicht mehr wie früher. Gleichzeitig bleiben emotionale Verbundenheit und Verantwortung oft bestehen.

Es kann für Eltern herausfordernd sein, den richtigen Abstand zu ihren Kindern zu finden: unterstützend präsent zu sein, ohne zu kontrollieren oder sich aufzudrängen. In der systemischen Therapie geht es darum, die neue Elternrolle bewusst zu gestalten und die eigene Position im Familiensystem neu zu definieren.

Geschwisterkonstellationen und mögliche Auswirkungen

Geschwisterbeziehungen gehören zu den längsten Beziehungen im Leben. Sie sind geprägt von Nähe, Konkurrenz, Verbundenheit und unterschiedlichen Erfahrungen innerhalb derselben Familie. Geburtsreihenfolge, Rollenverteilungen und Zuschreibungen können sich tief in das Selbstbild einschreiben.

Auch im Erwachsenenalter wirken diese Prägungen weiter – etwa in Partnerschaften, im Beruf oder in der eigenen Elternschaft. In der systemischen Arbeit können alte Zuschreibungen aufgedeckt und festgelegte Rollen gelöst werden, wenn diese heute nicht mehr stimmig sind.

Transgenerationale Themen

Generationsthemen und transgenerationale Muster

Familien tragen Geschichten über Generationen hinweg. Werte, Erwartungen, Tabus oder ungelöste Themen werden oft unbewusst weitergegeben. Manche Menschen spüren eine starke Loyalität gegenüber früheren Generationen oder das Gefühl, bestimmte Aufgaben „tragen“ zu müssen.

Diese transgenerationalen Muster waren meist sinnvoll und schützend, gleichzeitig können sie in der Gegenwart zur Belastung werden. In der systemischen Therapie werden diese Zusammenhänge behutsam betrachtet, um Handlungsmöglichkeiten im heutigen Leben zu erweitern.

Erschöpfung mit (Familien-)Geschichte

Nicht nur Familien, auch Erschöpfungszustände können eine längere Geschichte haben: Wurden unbewusst Rollen, Aufträge oder Haltungen über Generationen weitergegeben – etwa starkes Pflichtbewusstsein, frühe Verantwortungsübernahme oder das Zurückstellen eigener Bedürfnisse – können sich in nachfolgenden Generationen eine tiefe Erschöpfung zeigen, die auf transgenerationale Muster zurückzuführen ist.

Diese Muster waren früher sinnvoll und notwendig. Heute können sie jedoch zu einer dauerhaften Überforderung führen. Sie sichtbar zu machen, eröffnet die Möglichkeit, bewusster mit ihnen umzugehen und neue Wege zu entwickeln.

Biografische Themen in der systemischen Therapie

Die eigene Lebensgeschichte ist eng mit familiären Erfahrungen verknüpft. Übergänge, Verluste, Rollenwechsel oder prägende Beziehungserfahrungen beeinflussen, wie wir uns selbst und andere wahrnehmen. Biografische Themen tauchen oft in aktuellen Familiensituationen wieder auf – manchmal überraschend intensiv. So kann es lohnenswert sein, die eigene Biografie im Zusammenhang zu betrachten: Was wohin gehört. Was wirkt bis heute? Und was darf neu erzählt oder eingeordnet werden? Dieser Prozess kann Klarheit schaffen und die Selbstwahrnehmung vertiefen.

Familiäre Themen im Hier und Jetzt 

Zur systemischen Bearbeitung von Familienthemen müssen nicht unbedingt alle Beteiligten anwesend sein. Auch Einzelpersonen können ihre familiären Beziehungen reflektieren und Impulse zur Veränderung setzen. Denn aus systemischer Sicht verändert sich ein System bereits dann, wenn eine Person neue Perspektiven entwickelt und sich anders verhält. Kleine Veränderungen können große Wirkung entfalten.

Systemische Therapie bei Familienthemen

Systemische Therapie bietet einen wertschätzenden Raum, um familiäre Themen zu sortieren, Zusammenhänge zu verstehen und neue Handlungsspielräume zu entwickeln. Dabei werden unterschiedliche Perspektiven einbezogen und vorhandene Ressourcen gestärkt.

Familienbeziehungen sind komplex – und zugleich ein wichtiger Bezugsrahmen für Entwicklung. In der systemischen Therapie kann Belastendes eingeordnet, Verbundenheit neu gestaltet und der eigene Platz im Familiensystem bewusster eingenommen werden.

Sie fühlen sich durch Konflikte oder Beziehungsdynamiken in der Familie sehr belastet, spüren eine tiefe Erschöpfung und möchten gern etwas verändern oder einen neuen Umgang damit finden? Familienthemen können komplex sein und manchmal ist es hilfreich, diese in der systemischen Therapie anzusehen und zu bearbeiten. Ich unterstütze Sie gern dabei.

Meine Praxis ist in Berlin-Charlottenburg, perspektivisch auch im Raum Potsdam. Aus Wunsch arbeite ich auch online.

In einem ersten Gespräch klären wir in Ruhe, ob und wie eine Begleitung für Sie in Ihrer aktuellen Situation hilfreich sein kann. Termine kann ich meist innerhalb von 10 Tagen anbieten.

Kontakt

mail@systemische-therapie-jetzt.de
Telefon: 030-34 50 85 88

Praxis

Haubachstr. 11
10585 Berlin-Charlottenburg

Sprechzeiten nur nach Vereinbarung.