Systemische Therapie bei Lebenskrisen: Trauer, Verlust, Krankheit, Sinnfragen

„Jeder Mensch besitzt die inneren Ressourcen, die er für Veränderung braucht.“

Virginia Satir

Lebenskrisen

Der Verlust eines nahestehenden Menschen, aber auch eine konfliktreiche Trennung oder Sinnkrisen können unser Leben tiefgreifend erschüttern. Gewissheiten gehen verloren und es tauchen Gefühle auf, für die es zunächst keine Worte gibt.

Ob durch Verlust, Krankheit, existentielle Unsicherheit oder innere Sinnfragen – solche Situationen können unser inneres Gleichgewicht nachhaltig beeinflussen und uns an Grenzen führen. 

In meine systemische Praxis kommen Menschen u.a. mit folgenden Anliegen:

  • Trauer nach Verlust eines nahen Menschen, auch nach vielen Jahren

  • Trauer nach stiller Geburt, Sternenkinder

  • Beratung der Angehörigen von Trauernden

  • Suizidversuch des Partners/der Partnerin/des Kindes

  • Schwere oder chronische Erkrankung/Unfall von nahen Angehörigen

  • Sinnkrisen

  • Drohende Arbeitslosigkeit

  • Heimatverlust

  • Trennung/Scheidung

  • Andere Verluste

Lebenskrisen – wenn das Leben aus dem Gleichgewicht gerät

Trauer, Schmerz, Verlust…

Lebenskrisen gehören zum menschlichen Dasein. Sie können überraschend sein oder sich schleichend entwickeln. Immer erschüttern sie vertraute Sicherheiten und oft reichen bisherige Bewältigungsstrategien nicht mehr aus. Viele Menschen erleben in solchen Phasen das Gefühl, nicht mehr weiterzuwissen, innerlich den Boden zu verlieren oder sich selbst nicht mehr zu erkennen.

Aus systemischer Sicht sind Lebenskrisen keine Krankheit, sondern verständliche Reaktionen auf tiefgreifende Veränderungen und Belastungen. Sie betreffen nie nur die einzelne Person, sondern wirken immer auch in Beziehungen und Familiensysteme hinein.

Was Lebenskrisen kennzeichnet

Eine Lebenskrise ist häufig geprägt von innerer Orientierungslosigkeit, emotionaler Überforderung und dem Erleben, dass der Alltag nicht mehr so funktioniert wie zuvor. Menschen berichten von Anspannung, Erschöpfung, Rückzug oder starken Gefühlen wie Angst, Trauer oder Wut.

Typisch ist, dass mehrere belastende Faktoren zusammenkommen oder auch frühere Erfahrungen aktiviert werden. Eine Krise wirkt sich im Zusammenspiel von aktuellen belastenden Ereignissen, biografischen Prägungen und vorhandenen Ressourcen aus.

Mögliche Auslöser von Lebenskrisen

Lebenskrisen können sehr unterschiedliche Anlässe haben. Häufige Themen, zu denen Menschen Unterstützung suchen, sind:

  • Trauer, auch nach Suizid oder Suizidversuch eines nahestehenden Menschen – manchmal unmittelbar, manchmal viele Jahre später

  • Schwere oder chronische Erkrankungen, ein Unfall – sie verändern das eigene Leben oder das eines Angehörigen nachhaltig

  • Sinnkrisen, in denen bisherige Lebensentwürfe, Werte oder Ziele ihre Tragfähigkeit verlieren

  • Relevante Entscheidungssituationen, in denen sich keine Option stimmig anfühlt

  • Drohende oder tatsächliche Arbeitslosigkeit, Konkurs oder Privatinsolvenz,  verbunden mit Existenzängsten oder Identitätsfragen

  • Trennung oder Scheidung, manchmal auch lange nach dem formalen Ende einer Beziehung

Diese Situationen fordern häufig nicht nur praktische Anpassungen, sondern berühren existenzielle Fragen nach Halt, Zugehörigkeit und Selbstverständnis.

Lebenskrisen wirken auf das Familiensystem

Lebenskrisen betreffen nie nur Einzelne. Sie wirken sich auf Partnerschaften, Familien, andere bedeutsame Beziehungen und meist auch auf die Berufstätigkeit aus. Rollen können sich verschieben, Kommunikationsmuster verändern sich, Spannungen nehmen zu oder Nähe geht verloren. Auf diese Dynamik reagiert unser soziales Umfeld, war wiederum Auswirkungen auf die Beteiligten hat. 

Manche Menschen ziehen sich zurück, andere übernehmen übermäßig Verantwortung. Kinder reagieren häufig sensibel auf die Verunsicherung der Erwachsenen, auch wenn sie nicht direkt in die Krise eingebunden sind, übernehmen manchmal elterliche Aufgaben (Parentifizierung). In der systemischen Therapie wird deshalb immer auch das Umfeld mitgedacht: Wer ist betroffen? Wer trägt mit? Wo entstehen zusätzliche Belastungen – und wo liegen mögliche Ressourcen?

Destabilisierung im Alltag 

In vielen Lebenskrisen gerät der Alltag aus dem Gleichgewicht. Routinen brechen weg, Konzentration und Leistungsfähigkeit lassen nach, Entscheidungen fallen schwer. Manche Menschen erleben eine Phase der Dekompensation: Das innere Gleichgewicht ist so stark gestört, dass gewohnte Handlungsstrategien nicht mehr funktionieren.

Besonders herausfordernd ist es, wenn mehrere destabilisierende Ereignisse gleichzeitig oder kurz hintereinander auftreten. Dann kann eine eigentlich bewältigbare Situation zur Überforderung werden.

Alte Krisen, neue Auslöser

Aktuelle Lebenskrisen können frühere Erfahrungen oder ein Trauma reaktivieren (beispielsweise Bindungstrauma). Unverarbeitete Verluste, frühere Trennungen oder belastende Übergänge in einer Lebensphase können getriggert werden, ohne dass dies zunächst bewusst wird. Gleichzeitig zeigt sich in Lebenskrisen oft auch, was Menschen resilient gemacht hat: Fähigkeiten, Bewältigungsstrategien, Unterstützung, innere Stärke oder sinnstiftende Erfahrungen. In der systemischen Therapie sind also Verletzlichkeit und Resilienz von Bedeutung.

Transgenerationale Lasten 

Manche Lebenskrisen sind nicht nur individuell, sondern auch transgenerational geprägt, also von früheren Generationen unbewusst übertragen. Diese übernommenen Verantwortungen, Loyalitäten oder unausgesprochene Erwartungen können in Krisenzeiten besonders wirksam werden. Wenn Menschen zum Beispiel das Gefühl haben, stark sein zu müssen, nicht klagen zu dürfen oder immer für andere verantwortlich zu sein. Diese Muster waren früher sinnvoll und notwendig. In der Gegenwart können sie jedoch zusätzliche Belastung erzeugen. Sie sichtbar zu machen, kann entlastend wirken und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Hierbei kann die Arbeit am Genogramm hilfreich sein.

Normative und nichtnormative Krisen

In der systemischen Einordnung wird zwischen normativen und nichtnormativen Krisen unterschieden.

Normative Krisen erleben die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens, etwa bei Geburt, Schul- oder Berufseintritt, in der Pubertät, beim Übergang in den Ruhestand oder im Umgang mit Sterben und Tod. Sie sind erwartbar und erlauben oft eine gewisse Vorbereitung – individuell und im familiären oder sozialen Umfeld.

Nichtnormative Krisen betreffen weniger Menschen. Sie treten meist plötzlich und überraschend ein, zum Beispiel eine schwere Erkrankung oder ein Unfall, der Arbeitsplatzverlust, ein Suizid oder Suizidversuch. Sie stellen häufig eine größere Herausforderung dar, da vorhandene Ressourcen unerwartet stark beansprucht werden.

Beide Formen von Krisen können tiefgreifend sein – entscheidend ist nicht die Kategorie, sondern das individuelle Erleben.

Zentrale Aspekte von Lebenskrisen

Lebenskrisen sind vielfältig, doch einige Aspekte zeigen sich immer wieder:

  • Krisen werden sehr unterschiedlich erlebt und bewältigt

  • Jede bedeutsame Lebensveränderung kann eine Krise auslösen

  • Krisen sind Teil des Lebens und nicht per se pathologisch

  • Sie sind mit Diskontinuität und Veränderung im Innen und Außen verbunden

  • Sie werfen aus dem Gleichgewicht, weil gewohnte Anpassungsstrategien nicht mehr ausreichen

  • Krisen sind in der Regel zeitlich begrenzt, auch wenn sie sich endlos anfühlen

  • Und ja, jede Krise ist neben der Belastung wirklich auch eine Entwicklungschance

Systemische Therapie in Lebenskrisen

Lebenskrisen können sich sehr einsam anfühlen – selbst dann, wenn gute Menschen um einen herum sind. Ein unterstützender Rahmen kann helfen, Gedanken und Gefühle auszusprechen: Überforderung, Trauer, Zweifel, innere Widersprüche und auch das Nicht-Wissen, wie es weitergehen soll.

Die systemische Therapie bietet einen geschützten Raum, um innezuhalten, die eigene Situation im Zusammenhang von Beziehungen und Lebensgeschichte zu betrachten und neue Perspektiven zu entwickeln. 

Im Mittelpunkt steht nicht die schnelle Lösung, sondern das gemeinsame Erkunden dessen, was die aktuelle Krise ausmacht – und wie im jeweiligen Lebens- und Beziehungskontext wieder mehr Orientierung entstehen kann.

Dabei werden individuelle und familiäre Ressourcen sichtbar gemacht. Lebenskrisen dürfen so Schritt für Schritt zu Übergängen werden, in denen neue Klarheit und Stabilität wachsen können.

Sie befinden sich gerade in einer Lebenskrise durch den Verlust einen Angehörigen oder die schmerzhafte Trennung einer Partnerschaft? Es kann entlastend sein, damit nicht allein zu bleiben und durch ein haltgebendes Gegenüber wieder etwas mehr Stabilität zu gewinnen.

Falls Sie eine systemische Kurzzeittherapie in Erwägung ziehen, nehmen Sie gern Kontakt zu mir auf. Ich arbeite in eigener Praxis in Berlin-Charlottenburg oder online, perspektivisch auch im Raum Potsdam.

In einem ersten Gespräch klären wir in Ruhe, ob und wie eine Therapie Sie dabei unterstützen kann, wieder in Verbindung zu Ihren Ressourcen zu kommen und sich neu zu orientieren. Termine sind meist innerhalb von 10 Tagen möglich.

Kontakt

mail@systemische-therapie-jetzt.de
Telefon: 030-34 50 85 88

Praxis

Haubachstr. 11
10585 Berlin-Charlottenburg

Sprechzeiten nur nach Vereinbarung.